Aus meinem Garten - Einfälle und Ratschläge, Victoria Sackville-West

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Düfte - Es scheint mir nicht schlecht, das Jahr mit einer Betrachtung über Düfte zu beginnen.
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Dieses geheimnisvolle und verlockende Thema wurde mir durch das merkwürdige Benehmen zweier persischer Zyklamen eingegeben, die ich aus Samen einer speziell süßriechenden Art gezogen hatte. Im Treibhaus dufteten sie köstlich, und triumphierend trug ich sie ins Haus. Dort verschwand jede Spur von Duft, was ich auf die veränderte Temperatur zurückführte, auf den Feuchtigkeitsgrad der Luft oder sogar auf einen relativen Mangel an Licht. Zwei Tage später war plötzlich das ganze Zimmer parfümiert, doch - wohlgemerkt - der Duft strömte nur von einem der beiden Töpfe aus. Am nächsten Tag war die Situation umgekehrt: die bisher geruchlose Pflanze tat nun alles, was von ihr erwartet werden konnte, und die andere tat nichts.
So ging es weiter. Eineiige Zwillinge konnten kaum unter gleichartigeren Bedingungen leben, und doch fuhren die beiden Zyklamen fort, verschiedene Tage und verschiedene Stunden für ihre Darbietung zu wählen. Warum?
Unsere Freude an Blumendüften verdanken wir bestimmten in Zellen enthaltenen ätherischen Ölen, die in einem nie ganz erklärbaren Prozeß verströmt werden. Die ätherischen Öle sind das, was wir Blu-
menessenzen nennen (Rosenessenz wird den meisten Leuten bekannt sein). Die chemische Zusammensetzung dieser Essenzen ist analysiert worden, und jedermann wäre erstaunt zu hören, welch alltägliche Substanzen wir entdecken würden, wenn wir einige unserer liebsten Blumen zerzupften: Alkohol, Essig, Benzin - aber ich bin kein Chemiker, und sicher würde ich blamable Schnitzer begehen, wenn ich das Thema weiterführte.
Ich bin nur eine gewöhnliche Gärtnerin und erfreue mich an unnützen, aber reizenden Wissens-Fragmenten, wie etwa solchen, daß gewisse Schmetterlinge und Falter den gleichen Duft ausströmen wie die Blumen, die von ihnen aufgesucht werden; daß die weißen Blumen unter den duftenden Arten am zahlreichsten sind vor den roten, gelben und violetten (in dieser Reihenfolge, während die blaue Farbe den fünften Rang einnimmt); daß Blumen, die durch Vögel befruchtet werden, geruchlos sind, weil Vögel keinen Geruchssinn haben; daß bei dunkelhaarigen Menschen dieser Sinn am höchsten entwickelt ist, wogegen er den Albinos meist gänzlich fehlt; daß gewisse Blumen morgens anders riechen als abends. Doch nichts von alledem erklärt das seltsame Benehmen meiner Zyklamentöpfe.

WINTERLICHE BLÜTEN
Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten von einem großzügigen Freund zu Weihnachten einen Pflanzen-Gutschein bekommen und fragten sich nun - so wie ich mich frage -‚ wie er am besten anzulegen


gebraucht
Nr.: BV11951, Victoria Sackville-West
Aus meinem Garten - Einfälle und Ratschläge
Preis:    3,60 €, Format:    20 x 12 cm, Seiten:    291, Gewicht:    383 g, Verlag:    Heimeran
Erschienen:    1966, Einband:    Paperback, Sprache:    Deutsch, Zustand:    leichte Gebrauchsspuren
 

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