Rastlos in der Einsamkeit, Bernhard Palmer

  • Rastlos in der Einsamkeit, Bernhard Palmer

Missionspilot Marshall lässt seine geübten Augen über das Armaturenbrett gleiten, empfand er nichts als eine tiefe Zufriedenheit.
Der unangenehme, stechende Schmerz in seinem linken Fuss, den er mit solcher Heftigkeit verspürt hatte, als er auf dem moosigen und glitschigen Gestein im Muskrat River ausgerutscht war, hatte endlich nachgelassen. Mit etwas Mühe konnte er sogar vergessen, dass ihm der Schmerz wieder derart zugesetzt hatte.
Ausserdem hatte er den Schlüssel für eine Blockhütte ganz in der Nähe des Indianerreservats Sakahegan in seiner Tasche. Das bedeutete, dass er für sich und für einen Cree-Evangelisten einen Aufenthaltsort gefunden hatte, der ihnen bei Besuchen in dieser entfernten Siedlung diente. Es war das erste Zeichen eines Umschwungs, das sich ihnen nach Monaten der Enttäuschung andeutete - der erste dünne Riss im trotzigen Argwohn der dortigen Menschen. Das genügte, um einen Mann die Schmerzen in seinem Fuss vergessen zu lassen. Und befand er sich nicht auf dem Heimweg? Sicherlich hatte seine Frau für ihn und für seinen Begleiter ein köstliches Abendessen zubereitet.
1500 Fuss unter ihnen breiteten sich Seen und Wald in vertrauten Formen aus. Fast unmittelbar unter ihrem Wasserflugzeug sog der Long Lake, welcher erst kürzlich aus seinem eisigen Wintergefängnis befreit worden war, die Strahlen der warmen Frühlingssonne auf. Rechts krümmte sich der angeschwollene Muskrat River durch das schmutzige kleine Indianerdorf Pine Bluff.
Pine Bluff. Dort konnte man arbeiten.
Niemals würde er die erste Nacht vergessen, die er dort in einer dem Luftzug ausgesetzten Hütte zubrachte, genau am Weg zum Tanzboden des Dorfes. In jener bitter kalten Januarnacht hatte ein Tanzabend stattgefunden, und er hatte voller Bangen wach gelegen, ob vielleicht einige Männer, vom billigen Whisky erhitzt, vorbeikämen, um ihn zu belästigen. Er hatte sich nicht um sich selbst gesorgt. Zu viele Jahre hatte er unter den Cree verbracht, um sie noch zu fürchten - betrunken oder nüchtern. Aber derartige Situationen konnten das Zeugnis eines Gottesmannes im Keim ersticken wie das Unkraut im Garten die junge Saat. Sie konnten den Eindruck bekommen, er fürchte sich vor...

gebraucht
Bestell-Nr.: BV10890
Autor/in:    Bernhard Palmer
Rastlos in der Einsamkeit
ISBN:    9783725600304 (früher: 3725600309)
Format:    20,5 x 13,5 cm
Seiten:    190
Gewicht:    280 g
Verlag:    Hänssler
Erschienen:    1976
Einband:    Paperback
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren

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