Bibel und Zukunft Untersuchung endzeitlicher Aussagen der Heiligen Schrift, J Dwight Pentecost

  • Bibel und Zukunft Untersuchung endzeitlicher Aussagen der Heiligen Schrift, J Dwight Pentecost

Biblische Eschatologie ist der Gipfel systematischer Theologie. Sie ist zum einen Endziel aller theologischen Studien, zum anderen erfordert ihre Darstellung ein außerordentliches Geschick und enorme theologische Sachkenntnis.

Auf keinem anderen Feld vielleicht mit Ausnahme der Christologie (der Lehre über die Person Christi) kommen die wichtigen Werkzeuge der Exegese (Auslegung), der Synthese, der Hermeneutik (Deutung) und der theologischen Systematik so zur Entfaltung wie hier. Es muß sehr
fein herausgearbeitet werden, an welchen Stellen eine wörtliche, eine vergeistlichende oder eine allegorische (versinnbildlichende) Auslegung
angemessen ist. Dabei muß diese Auslegung im Einklang mit der gesamten Offenbarung Gottes im Alten und Neuen Testament zu stehen. Die komplizierten Einzelheiten der Prophetie müssen zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt
werden. Das, was klar und eindeutig festgestellt werden kann, ist sorgfältig von dem zu unterscheiden, was noch im Dunkeln liegt. Wichtige Punkte müssen von unwesentlichen geschieden werden. Notwendigerweise haben sich die Untersuchungen auf erfüllte und unerfüllte Prophetie zu erstrecken, wobei erstgenannte wichtige Hinweise zum Charakter der noch nicht erfüllten Prophezeiungen enthalten kann.

Angebot:

 Eschatologie hat mehr als jedes andere theologische Studienfeld unter den Händen der Ausleger gelitten. Selbst unter solchen, deren
Vertrauen in das Wort Gottes über jeden Zweifel erhaben ist, klaffen die Methoden der Auslegung weit auseinander. Von daher haben sich einige
Theologen mit der Darstellung weniger Hauptgebiete der Eschatologie, wie der Auferstehung aus den Toten, dem zweiten Kommen des Herrn und dem Jüngsten Gericht, zufrieden gegeben und dabei weite Teile der Schrift, die andere  prophetische Themen behandeln, vernachlässigt.

 Obwohl viele gelehrte Männer Bücher zur Eschatologie
geschrieben haben, um einem Mangel abzuhelfen, der diesbezüglich üblicherweise in theologischen Standardwerken besteht, haben, wenn überhaupt, nur
wenige den Versuch einer detaillierten Darstellung der prämillenialistischen Eschatologie unternommen. Dies geschieht nun in vorliegendem Werk. Dr.
Pentecost hat sich mit seltenem Geschick vieler strittiger Punkte angenommen, hat viele durch die Prophetie aufgeworfenen Fragen gelöst und in hohem
Maß das Wesen des prohetischen Wortes systematisch und theologisch herausgearbeitet. Er hat eine Fülle von Material, das oft nicht einmal
in größeren theologischen Bibliotheken zu finden ist, zusammengefaßt und seine eigenen Lösungen zu vielen umstrittenen Fragen angeboten.
Seine Schlußfolgerungen werden in hohem Maße von vielen Prämillenialisten geteilt. Die ganze Studie verdient eine Einstufung als umfassendes Standardwerk zur biblischen Eschatologie. Möge sie unserer Generation für viele Jahre gute Dienste leisten.

John F. Walvoord; Dallas, Texas

Leseprobe:VI. Die Reformation

 Erst die Reformationszeit bringt wieder gesunde Exegese hervor.
Man kann sagen, daß die gesamte Reformation durch eine Rückkehr
zur wörtlichen Methode der Schriftauslegung angeregt wurde. Sie begann
mit einigen Vorläufern, deren Einfluß zurück zur ursprünglichen
wörtlichen Methode führte. Dazu Farrar:
 Lorenzo Valla (1405-1457) war eines der wichtigsten
Bindegliede ... zwischen Renaissance und Reformation. Durch das Wiederaufblühen
der Gelehrsamkeit hatte er gelernt, daß die Schrift entsprechend
der grammatikalischen und sprachlichen Gesetze auszulegen ist.

 Erasmus war ein weiteres Bindeglied. Er legte großen Wert
auf das Studium der Originaltexte der Schrift und schuf die Grundlage für
die grammatikalische Auslegung des Wortes Gottes. Wir können ihn mit
Farrar als den eigentlichen Begründer der modernen Text- und Bibelkritik
ansehen. Ihm gebührt für alle Zeiten ein Ehrenplatz unter den
Auslegern der Schrift.


 Die Übersetzer, die so viel geleistet haben, um das Feuer
der Reformation zu schüren, waren getrieben von dem Wunsch, die Bibel
wörtlich zu verstehen. Über diese frühen Übersetzer
schreibt Farrar:
 Es war in der Tat Wyclif, von dem folgende wichtige
Aussage stammt: Der eigentliche Irrtum in bezug auf die Schrift und die
Quelle der Schriftverfälschung durch inkompetente Personen ist in
der Unkenntnis von Grammatik und Logik zu sehen.
Und über Tyndale schreibt er:
 Der große Übersetzer Tyndale schrieb: Wir
mögen der Schrift Bilder oder Allegorien entlehnen und sie für
unsere Zwecke anwenden, wobei dann eine solche Auslegung zwar nicht dem
direkten Sinn der Schrift entspricht, aber in der Freiheit des Geistes
neben der Schrift noch bestehen kann. Allerdings beweisen solche Allegorien 
gar nichts, sie bleiben bloße Vergleiche. Gott ist Geist, und alle
Seine Wörter sind geistlich, und Sein wörtlicher Sinn ist
ein geistlicher.

  Whitaker, der Gegner Bellarmins (1542-1621), sagte: Was nun
jene drei spirituellen Deutungen betrifft, so ist es sicher töricht
zu behaupten, daß, wenn man Wörtern verschiedene Bedeutungen
beilegen kann, auch der entsprechende Schriftabschnitt mehrere Deutungen
zulasse. Denn obwohl man den Wörtern selbst einen metaphorischen,
einen mystischen, einen allegorischen oder sonst irgendeinen Sinn beilegen
mag, so gibt es nicht schon allein deshalb auch unterschiedliche Bedeutungen,
Auslegungen und Erläuterungen der Schrift. Die Schrift hat nur den
einen wörtlichen Sinn, der jedoch unterschiedlich angewandt werden
und aus dem man verschiedene Lehren ziehen kann.
Auch Briggs, sicherlich kein Freund der wörtlichen Schriftauslegung,
zitiert Tyndale mit den Worten:
 Du mußt verstehen, daß der Schrift nur
der eine wörtliche Sinn innewohnt. Dieser wörtliche Sinn ist
Wurzel und Grundlage für alles, der Anker, der nie fortgerissen wird.
Wenn du dich an ihn hältst, kannst du niemals irren oder vom Weg abkommen.
Wenn du aber den wörtlichen Sinn außer acht läßt,
dann wirst du unweigerlich vom Weg abkommen. Nun benutzt die Heilige Schrift
wie andere Schriften auch Sprüche, Bilder, Rätsel oder Allegorien,
die aber nur über ihren wörtlichen Sinn die rechte Bedeutung
erlangen. Du mußt also den wörtlichen Sinn fleißig herausarbeiten...
Die Fundamente der Reformation wurden durch die Rückkehr zur wörtlichen
Auslegungsmethode gelegt.

Während der Reformationszeit verfechten vor allem Luther und Calvin
die Wahrheiten der Schrift. Beide zeichnen sich dadurch aus, daß
sie ausdrücklich auf der wörtlichen Auslegungsmethode bestehen.
Luther meint:
 Wir sollten jedes Wort in seiner natürlichen
Bedeutung stehen lassen und diese erst dann aufgeben, wenn der Glaube uns
dazu zwingt... Es ist ein Kennzeichen der Heiligen Schrift, daß sie 
sich durch Abschnitte und Stellen, die zueinander gehören, selbst
auslegt und nur durch Glauben zu verstehen ist.
Man kann Luthers eigenen Schriften entnehmen, daß er eine Position
vertrat, die man heute als grammatikalisch-historisch bezeichnen würde.
 ...In seiner Einleitung zum Propheten Jesaja (1528)
und an anderen Stellen seiner Schriften legt Luther dar, welche Regeln
er als zuverlässig für die Schriftauslegung erachtet. Er betont
1) die Notwendigkeit grammatikalischer Kenntnisse, 2) die Wichtigkeit historischer
und sonstiger Hintergründe eines Textes, 3) die Bedeutung des unmittelbaren
Kontextes, 4) die Notwendigkeit des Glaubens und der geistlichen Erleuchtung,
5) das Festhalten am 'Maß des Glaubens' und 6) das Prinzip, daß
die ganze Schrift Christus treibt.
Da Luther den Menschen nicht nur das Wort Gottes geben wollte, sondern
auch den Wunsch hegte, sie deren Auslegung zu lehren, verfaßte er
die folgenden Auslegungsregeln:
  I. Die erste Regel hebt die höchste und endgültige
Autorität der Schrift hervor, unabhängig von aller kirchlichen
Autorität oder Einmischung ...

  II. Zweitens verfocht er nicht nur die oberste Autorität
der Schrift sondern auch deren "Hinlänglichkeit" (Genugsamkeit) ...

  III. Wie alle anderen Reformatoren auch, verwarf er die langweiligen
Erdichtungen, die von dem vierfachen Sinn ausgingen ... Luther: 'Allein
der wörtliche Sinn der Schrift enthält das ganze Wesen des Glaubens
und der christlichen Theologie.' 'Ich habe beobachtet, daß alle Häresien
und Irrtümer ihren Ursprung nicht in den einfachen Worten der Schrift
haben, wie allgemein behauptet wird. Sie entstehen vielmehr durch das Vernachlässigen
der einfachen Schriftworte und durch die übertriebene Vorliebe für
höchst subjektive... bildliche Ausdrücke und Hypothesen.' 'In
den Schulen der Theologen ist die Regel sehr bekannt, daß man die
Schrift auf vierfache Weise - wörtlich, allegorisch, moralisch und
mystisch - verstehen kann. Wenn wir aber die Schrift richtig behandeln
wollen, müssen wir uns ganz darauf konzentrieren, den unum, simplicem,
germanun, et certum sensum literalem herauszufinden.' 'Jeder Abschnitt 
hat einen eigenen, klaren, definitiven und richtigen Sinn. Alles andere
ist nichts weiter als zweifelhafte und unsichere Meinung.'

  IV. Es ist daher naheliegend, daß Luther. wie die meisten
Reformatoren, die Gültigkeit allegorischer Auslegung ablehnte. Deren
Anspruch, eine geistliche Auslegung zu sein, anerkannte er überhaupt
nicht.

  V. Luther hielt ferner an der Verständlichkeit der Schrift
fest... Bisweilen kam er der modernen Bemerkung, daß die Bibel wie
jedes andere Buch auch auszulegen sei, sehr nahe.

  VI. Luther verfocht mit aller Kraft und beinahe das erste
Mal in der Geschichte das unveräußerliche Recht, persönlich
über die Auslegung der Schrift zu urteilen. Dies ist gemeinsam
mit der Lehre vom allgemeinen Priestertum der Christen ein entscheidender
Grundsatz des Protestantismus.


 Calvin nimmt einen einzigartigen Platz in der Geschichte der Auslegung
ein. Gilbert schreibt über ihn:
 ...Es war das erste Mal nach etwa tausend Jahren,
daß jemand ein hervorragendes Beispiel für eine nicht-allegorische
Auslegung gab. Man muß schon zu den besten Werken der antiochenischen
Schule zurückgehen, um eine so vollendete Ablehnung der Methode Philos
zu finden wie bei Calvin. Allegorische Auslegungen, die die "Frühchristentum"
hervorgebracht hatte und die von berühmten Auslegern in allen nachfolgenden
Jahrhunderten bestätigt worden waren, wie z.B. die Deutung der Arche
Noahs und des nahtlosen Gewandes Christi, werden wie Unrat beiseite geschoben.
Schon allein dies verleiht Calvins exegetischem Werk einen bleibenden und
hervorragenden Ehrenplatz. Was ihn dazu führte, die allegorische Auslegung
als etwas vornehmlich Satanisches abzulehnen, ob es seine juristische Ausbildung
in Orleans und Bourges oder ob es seine natürliche Urteilskraft war,
ist unklar. Die Tatsache als solche ist unbestritten und das auffallendste
Charakteristikum seiner Auslegung.
Calvin legt seine eigene Position sehr eindeutig dar. In seinem Kommentar 
zum Galaterbrief schreibt er:
 Laßt uns dessen bewußt sein, daß
die richtige Bedeutung der Schrift deren natürlicher und offensichtlicher
Sinn ist. Machen wir uns das zu eigen, und halten wir daran entschlossen
fest.
In seinem Vorwort zum Römerbrief heißt es:
 Es ist die vornehmste Aufgabe eines Auslegers, den
Autor das sagen zu lassen, was er sagt, und ihm nicht das in den Mund zu
legen, was er nach Meinung des Auslegers sagen sollte.
Zu Calvins Beitrag schreibt Schaff:
 Calvin ist der Begründer der grammatikalisch-historischen
Exegese. Er bekräftigte das gute hermeneutische Prinzip, das er selbst
auch anwandte, wonach die biblischen Autoren - wie andere vernünftige
Schreiber auch - ihren Lesern jeweils einen bestimmten Gedanken in verständlichen
Worten übermitteln wollten. Ein Abschnitt hat entweder einen wörtlichen
oder einen bildlichen Sinn, aber er kann nicht zwei Bedeutungen zugleich
haben. Das Wort Gottes ist unerschöpflich und gültig für
alle Zeiten, es gibt jedoch einen Unterschied zwischen Erklärung und
Anwendung des Wortes. Die Anwendung muß mit der Erklärung in
Einklang stehen.
Zu dieser ganzen Periode schreibt Farrar:
 ...die Reformatoren gaben der Wissenschaft der Schriftauslegung
einen mächtigen Impuls. Durch sie wurde die Bibel für jedermann
zugänglich. Sie rissen die dichten Spinngewebe hinweg, die eine willkürliche
Tradition seit Jahrhunderten über jedes Buch und jeden Text gesponnen
hatte, und zerstreuten sie in alle Winde. Sie schätzten die Apokryphen
geringer ein als die heiligen Bücher. Sie studierten sorgfältig
die ursprünglichen Sprachen der Bibel. Sie arbeiteten den klaren,
wörtlichen Sinn heraus, den sie zur Stärkung und Erquickung geistlichen
Lebens anwandten.
Und Gilbert faßt zusammen:
 ...Man muß dieser Zeit zugute halten, daß
in der Exegese die Berücksichtigung des wörtlichen Sinnes das 
Normale war. So teilten viele die Auffassung Richard Hookers (1553-1600).
Er sagte: 'Die meiner Meinung nach nahezu unfehlbare Regel bei der Auslegung
der Heiligen Schriften besagt, daß die Auslegung, die sich am weitesten
von der ursprünglichen Wortbedeutung entfernt, gewöhnlich die
schlechteste ist. Diese nahezu unfehlbare Regel muß man bei der Auslegung
der Heiligen Schriften beachten. Es gibt nichts Gefährlicheres als
die betrügerische Kunst, die die Bedeutung der Wörter genauso
verändert, wie die Alchemie die Substanz von Metallen verwandelt oder
verwandeln will, die zu x-beliebigen Auslegungen gelangt und letztendlich
zu nichts führt.' Im allgemeinen folgten die führenden Geistlichen
und Gelehrten der nächsten zwei Jahrhunderte dem Beispiel Calvins
und lehnten allegorische Auslegungen ab.


 Wenn also jemand sich mit seiner Theologie auf die Reformatoren
beruft, muß er auch die Auslegungsmethode akzeptieren, die deren
Theologie zugrunde liegt.

gebraucht
Bestell-Nr: BV10487
Autor/in:    J Dwight Pentecost
Titel:    Bibel und Zukunft Untersuchung endzeitlicher Aussagen der Heiligen Schrift
ISBN:    9783894360535 (früher: 3894360534)
Format:    25 x 16,5 cm
Seiten:    672
Gewicht:    1090 g
Verlag:    CV Dillenburg
Erschienen:    1993
Einband:    Hardcover/gebunden
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren

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