Die Erschaffung des Lebens - Evolution aus kybernetischer Sicht, A. Ernest Wilder Smith

  • Die Erschaffung des Lebens - Evolution aus kybernetischer Sicht, A. Ernest Wilder Smith

Wir leben heute in einer Zeit, in der die Naturwissenschaften und ihre praktische Anwendung von überragender Bedeutung sind. Der Mensch hatte sich nur dazu zu entscheiden, den Mond zu erreichen, und in den folgenden zehn Jahren landete er mehrere Male auf seiner Oberfläche und brachte Gesteinsproben zur Analyse zurück. Es mußte scheinen, als ob es aufgrund dieser Technik keine Grenzen mehr für den menschlichen Fortschritt gäbe, wenn nur Zeit und Geld in ausreichendem Maße zur Verfügung ständen.

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Bei der Anwendung der sogenannten wissenschaftlichen Methode entstand als Folgeerscheinung eine Monokultur von technischem Fachwissen, die sich mit großer Geschwindigkeit rund um die Erde ausbreitet. Die Kenntnis, wie man ein Problem auf wissenschaftliche Weise angreift, ist jedoch nicht der einzige Bestandteil der gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Monokultur. Die technischen Fähigkeiten werden von einer Weltanschauung begleitet. Die Naturwissenschaften beschäftigen sich mit der Erforschung der Materie, während sie auf anderen Gebieten von keinem großen Nutzen sind. Die Erforschung der Materie hat nun viele dazu geführt, ein rein materielles Universum für die einzige Realität zu halten. Für sie sind alle Probleme und alle Lösungen einzig und allein materieller Art. Diese Weltanschauung ist als naturwissenschaftlicher Materialismus bekannt. Eine seiner gedanklichen Abzweigungen ist der Neodarwinismus, und in den folgenden Erörterungen werden wir viel über den naturwissenschaftlichen Materialismus und seinen Abkömmling, den Neodarwinismus, zu sagen haben.

Mit der sogenannten wissenschaftlichen Methode verbreitet sich also eine auf dem naturwissenschaftlichen Materialismus gedeihende Monokultur rings um die Erde. Noch vor wenigen Jahren hatte die Türkei, in der zu lehren ich das Vorrecht hatte und in der dieses Buch entstand, noch nicht einmal ein Postsystem, ganz zu schweigen von Fernsehen, einem Netz von Rundfunkstationen, modernen Krankenhäusern und Autobahnen. Aber die Religiosität der Türken war hoch entwickelt. Mit der Verwestlichung, die unter Kemal Attatürk begann, wird nun der Staub der Jahrhunderte vom Wirbelsturm der westlichen Technologie fortgeblasen.

Ein unvermeidlicher Teil dieses Vernichtungsprozesses besteht aus dem Untergang alter Sitten und Volksbräuche wie auch reli

giöser und abergläubischer Vorstellungen, die oft ein Hindernis

für den Fortschritt darstellen, wenn es gilt, ein altes und stolzes Volk materiell zu unterstützen. Man hat behauptet, daß der moderne technische Zauberer aus dem Westen gewöhnlich nicht religiös, wenn nicht gar direkt atheistisch eingestellt sei. 

 

Was in Mensch glaubt, das baut ihn auf oder zerstört ihn. Die Vertreter des Westens folgerten, daß - zumindest in der Türkei _ der Glaube den Menschen "zerstörte". Der nicht-religiöse oder

gar gottlose technische Zauberer, der den Lebensstandard über Nacht verbessern, Krankheiten heilen und das Leben verlängern kann, ist deshalb nicht nur' in seiner technischen Zauberei, sondern auch in seiner religiösen Haltung ein Vorbild. Da technische Experten weder an Gott noch an Engel oder Teufel glauben, folgerten viele, daß es nicht fortschrittlich sei, einen Glauben

an Gott oder das übernatürliche zu haben, wenn ihn der moderne atheistische Wissenschaftler, der Pionier dieses gewaltigen Fortschrittes, auch nicht besitzt. Der kalte Sturm der Technologie hat in den Entwicklungsländern wie auch in den Ländern,

in denen die Naturwissenschaften schon seit Jahren an oberster Stelle stehen, ein geistiges Vakuum geschaffen. Der einzige Unterschied ist der, daß der Prozeß in den Entwicklungsländern

80 rapide fortschreitet und die Umwälzungen so radikal sind, daß die einzelnen Generationen den Kontakt zueinander verlieren. Natürlich geschieht das auch in fortschrittlichen Ländern,

aber die Tragweite des Problems kann man nirgends so klar sehen wie in den Ländern, die durch die naturwissenschaftliche

Monokultur im Zeitraum einer Generation aus den vergangenen Jahrhunderten herausgerissen wurden.

Sowohl in fortschrittlichen als auch weniger fortschrittlichen Ländern ist das Endresultat der Invasion durch die naturwissenschaftliche Technologie gleich. In England und den skandina

vischen Ländern ist es z. B. nichts Ungewöhnliches mehr, das gegenwärtige Zeitalter als ein "nachchristliches" zu bezeichnen.

In den Ländern des Islam, in denen der naturwissenschaftliche Materialismus noch nicht so lange am Werke war, ist die jüngere Generation schon einem Großteil des Erbes der Vergangenheit entfremdet. Freilich halten sie sich noch an einige äußerliche Formen des religiösen Kults, jedoch geschieht dieses ohne die überzeugung, die ihre Eltern noch besaßen.

 

In den Vereinigten Staaten und in den westeUropäischen Ländern,in denen der naturwissenschaftliche Materialismus von der jüngeren Generation Besitz ergriffen hat, kann man oft folgenden typischen Fall beobachten: Der Sohn oder die Tochter im Teen

ageralter, aufgewachsen in einer aufrichtig religiösen Familie (ob es sich dabei um eine jüdische, christliche oder mohammedanische handelt, ist für unsere Zwecke hier nicht von Bedeutung, solange diese Familie nur das Erbgut des Glaubens an einen Schöpfer

und ein Buch bewahrt, auf das sich ihr Glaube gründet), soll auf eine führende Stellung vorbereitet werden. Zu diesem Zwekke benötigt er oder sie eine höhere Schulbildung, die aus dem Studium von Naturwissenschaften, Sprachen oder Rechtswissenschaft bestehen kann. Wir wollen annehmen, daß unser Student sich für die Naturwissenschaften entscheidet. Während seines ersten Jahres an der Universität macht er - aufgrund des naturwissenschaftlichen Materialismus, der heute die Basis aller höheren naturwissenschaftlichen Bildung darstellt - sehr schnell

die Entdeckung, daß das ganze übernatürliche Glaubensgebäude, auf dem die Stabilität und das Glück seiner Familie während seiner Entwicklungsjahre beruhte, einfach Unsinn ist. Wenn unser Student in einer christlichen Familie aufgewachsen ist, findet er z. B. sehr schnell heraus, daß die Familienbibel angeblich eine bloße Sammlung von Mythen über die Schöpfung, die Sintflut, die Propheten und das Leben Jesu enthält. Die heutige Naturwissenschaft lehrt, daß das Leben nicht mit Adam und Eva begonnen habe, sondern daß "Bestände sich kreuzender Gene"die naturwissenschaftlichen Fakten unserer Abstammung besser beschreiben.

Erst kürzlich lernte mein Sohn in seinem Wahlfach Religionslehre, welches ein protestantischer Lehrer erteilt, der an nichts übernatürliches mehr glaubt, daß Jesus niemals für sich in Anspruch nahm, Gott zu sein, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil er wußte, daß er es nicht war. Auch vollbrachte er keinerlei Wunder. Seine Jünger erfanden sie, um damit ihre Gründe bei der Schaffung einer neuen' Religion, deren Führer sie sein würden, künstlich zu unterstützen. Diese verstümmelte Religionsunterweisung gründete sich ganz eindeutig auf den gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Materialismus. Materie bedeutet alles. Geist existiert demzufolge nicht. Alles, was außerhalb der naturwissenschaftlich-materialistischen Sicht der Dinge liegt, darf nicht ernst genommen werden. Das Ergebnis sind eine Verschiebung der kulturellen Werte und ein wachsendes religiöses Vakuum in der westlichen Welt. Die Naturwissenschaften sind glaubwürdig. Der Materialismus ist glaubwürdig. Die Religion ist es nicht. Es ist schockierend, daß die meisten führenden Persönlichkeiten innerhalb des Christentums und anderer Religionen bisher machtlos waren, die Flutwelle des naturwissenschaftlichen Materialismus aufzuhalten, außer vielleicht nach "Glauben" zu schreien. In den alten asiatischen Kulturen läuft genau der gleiche Vorgang vor unseren Augen ab, nur ist die Geschwindigkeit hier viel größer. Wenn die naturwissenschaftliche Monokultur aus dem Westen sich explosionsartig in ihre Länder ausbreitet, beziehen junge Männer und Frauen die neu errichteten Universitäten, deren Lehrkörper sich aus Angehörigen westlicher Länder oder aus im Westen ausgebildeten Einheimischen zusammensetzt, um dort zu lernen, daß das religiöse (und oftmals auch kulturelle) Erbe der Vergangenheit ein Hindernis auf dem Wege der wissenschaftlichen Dampfwalze darstellt. Die meisten im Westen ausgebildeten Lehrer glauben nicht an einen nicht-materialistischen Sinn des Lebens. In Wirklichkeit glauben und lehren viele von ihnen, daß das Leben tatsächlich ein einziger großer Zufall sei, der sich im Laufe von Jahrmillionen herausgebildet hat.

Wenn das Leben also ein Zufall ist, warum es nicht als einen solchen behandeln? Die Studenten in den Entwicklungsländern und anderswo haben das Stichwort schneller als ihre Lehrer aufgegriffen. Wenn kei~ göttlicher Plan und Sinn hinter dem Leben steht, dann wird es so billig, wie der Zufall sein sollte. Erst letzte Woche wurde einem Studenten in Ankara die rechte Hand abgerissen, als er im Begriff war, auf dem Universitätsgelände einen Molotow-Cocktail zu werfen. Von zwei anderen, die aufeinander schossen, ist der eine jetzt gelähmt, mit einer Kugel in der Wirbelsäule. Der Dekan wurde verprügelt, ob von ,Studenten oder von der Polizei, ist nicht bekannt. Zwei andere Jugendliche schlugen aufeinander ein, bis der eine tot war. Der Mörder ist offensichtlich ein Jurastudent!

Falls man uns das Leben auf der Basis des naturwissenschaftlichen Materialismus hinreichend erklären kann, dann ist auch nicht das Geringste daran, was übernatürlich wäre. Dementsprechend gibt es nach dem Tode auch keine Bestrafung für Mord oder Gewalttat.

 

Die materialistische Sicht des Lebens bringt eine oberflächliche und zugleich brutalisierende, gesetzlose Art des Lebens mit sich. Warum hat es in den Vereinigten Staaten einen so schnellen Verfall von Recht und Ordnung gegeben( Weil man viele Jahre gelehrt hat, daß das Leben eine ziellose, zufällige Erscheinung sei mit keinem anderen Sinn als dem rein materialistischen. Gesetze sind für den Menschen nur eine Sache der Zweckmäßigkeit. Da die Existenz des Menschen angeblich Zufall ist, sind es die Gesetze auch. Kein Wunder, daß das Ergebnis solcher Lehre Verachtung der Gerichtshöfe und jeder angemessenen Ordnung ist. Die alte, übernatürliche Vorstellung lehrte, daß das Leben Plan und Code sei. Zu seiner Regierung brauche es einen Plan von übernatürlich erlassenen Codes oder Gesetzen.

In den Institutionen der höheren Bildung wird diese Schwerpunktsverlagerung schon seit mehr als hundert Jahren betrieben. Heute sehen wir in weltweitem Umfang ihre Früchte als einen beispiellosen Zusammenbruch von Recht und Ordnung. Es ist unglaublich, daß die Politiker heute Kommissionen ernennen, die die Gründe für diese Flutwelle auf die Anarchie hin untersuchen sollen, während doch die tatsächliche Ursache so einfach ist, wenn man das Ganze einmal historisch betrachtet. Man hat gelehrt, daß der Ursprung des Lebens und seine Erhaltung auf "Anarchie" (Zufälligkeit, Fehlen von Gesetz und Code) beruht. Es ist nur zu natürlich, daß, nachdem diese Lehre gesät wurde, nun auch ihre Früchte erscheinen.

Durch die überwältigenden Erfolge des naturwissenschaftlichen Materialismus wurde ein religiöses Vakuum geschaffen. Was aber soll die echten Werte ersetzen, die durch die Flut zerstört wurden? Genau an dieser Stelle findet der Marxismus-Kommunismus einen hervorragenden Nährboden, denn er bietet dem Menschen einen Idealismus materialistischer Prägung an, der - eine. Zeitlang zumindest - die alten Philosophien der weniger intellektuellen Vorfahren ersetzt. Wir wollen es präzisieren. Charles Darwin benötigte fast die Zeit einer Generation, um seine biologische Abstammungslehre zu entwickeln. Mit ihr offerierte er der gebildeten Welt eine rein naturgeschichtliche Beschreibung von Ursprung und Entwicklung des Lebens. Als Folge sah er sich - ganz gegen den Willen seiner Frau - gezwungen, den Glauben an die christliche Offenbarung aufzugeben. Heute benötigt man nur ein Semester Anfangsunterricht in Biologie, um einen Studenten durch die gleichen Stufen zu führen, die im Zeitraum einer Generation Darwin und seinen christlichen Glauben aus dem Sattel warfen. überall in der intellektuellen Welt werden diese Stufen zu einem religiösen Vakuum mit immer größerer Geschwindigkeit durchlaufen. Die Folgen sind dort am größten, wo dieses religiöse Vakuum am schnellsten entstanden ist. Das bedeutet daß es gerade die Entwicklungsländer sind, die am meisten unter dem naturwissenschaftlichen Materialismus leiden, wenn ihnen vielleicht auch, physisch gesehen, reiche Hilfe zuteil wird.

Vielleicht ist das, was an der gegenwärtigen weltweiten Revolution am stärksten beunruhigt, die Tatsache, daß der naturwissenschaftliche Materialismus sowohl für den Marxismus Kommunismus als auch für die westliche Bildung die Grundlage abgibt. Er ist der gemeinsame Nenner. Die Naturwissensmaften sind erfolgreich. Die Naturwissenschaften werden's schon bringen. Die Naturwissenschaften erkennen nur die Materie an. Die Naturwissenschaften haben recht. Alles andere ist unwichtig. Das ist heute die stillschweigende Argumentation. Die östliche, kommunistische Welt propagiert diese Lehre laut und unverhohlen, da sie ihre materialistische Auffassung der Naturwissenschaften zur Stützung des Staatsatheismus verwendet. Die westliche Welt nimmt, besonders soweit es die Gebiete höherer BilduAg betrifft, gern den gleichen Standpunkt ein, wenn es auch nicht so offen geschieht.

So entlassen die Universitäten in Ost und West Generationen von Absolventen mit einer materialistischen und anarchistischen Einstellung zum Leben, die in einem geistlichen Vakuum gedeiht. Und doch zeigt gerade der Fortschritt einer materialistischen Wissenschaft denen, die Augen haben zu sehen, wie unzulänglich ihre Ansichten sind. Gerade die Beschäftigung mit einer materialistischen Wissenschaft brachte die Wissenschaftler dazu, die Tatsache anzuerkennen, daß die eigenen Theorien revisionsbedürftig sind. Es ist dringend erforderlich, sich auch um das über das Materielle Hinausgehende und über das Transzendente Gedanken zu machen. In einem Maße wie' nie zuvor muß die Naturwissenschaft heute erkennen, daß das dringende Bedürfnis besteht, eine große Intelligenz.hinter der verschlüsselten Ordnung, die sich durchweg in unserem sichtbaren und unsichtbaren Universum zeigt, zu suchen.

Bei der Erörterung dieser und ähnlicher Fragen erwächst eine bedeutende Schwierigkeit aus der Tatsache, daß dem durchschnittlichen Laien kein zusammenhängender Bericht über die neuen Ergebnisse angeboten wird. Diese neuen Ergebnisse beginnen, einige der' ältesten Glaubensaussagen der Menschheit

 

über den Ursprung aller Dinge wieder zum Leben zu erwecken, die seit fast hundert Jahren aus Furcht vor dem naturwissenschaftlichen Materialismus begraben lagen. Nun 'aber wird, wie wir in den folgenden Kapiteln sehen werden, dieser Mumie wieder neues Leben eingeflößt. Es ist so, als ob Weizenkörner, die zur Zeit der Pharaonen geerntet und gelagert wurden, in dem, Lichte und der Wärme wissenschaftlichen Fortschrittes plötzlich zu keimen beginnen. Aber noch immer besuchen junge Menschen Schulen und Universitäten, auf denen sie ihren Glauben an irgend etWas Göttliches verlieren, weil ihnen die neuesten Entwicklungen nicht interpretiert und als für sie relevant dargestellt werden.

Angesichts der oben beschriebenen Einschätzung des naturwissenschaftlichen Materialismus'und seiner Konsequenzen.beschloßder Autor vor einigen Jahren, eine Reihe von Büchern zu schreiben mit dem Ziel, im modernen wissenschaftlichen Kontext verschiedene Gebiete zu behandeln, auf denen die jüngere Forschung immer mehr zu der Erkenntnis kommt, daß der naturwissenschaftliche Materialismus weder zur Vergangenheit noch zur Zukunft des wissenschaftlichen Fortschrittes die Schlüssel in Händen hält. Der Christ oder der, welcher an Gott glaubt, braucht sich nicht länger, vom intellektuellen Standpunkt aus gesehen, in die Katakomben zu verkriechen. Heutzutage unterstützt echte Naturwissenschaft denjenigen, der eine supramaterialistische Sicht des Lebens, der Welt und ihrer Zukunft vertritt.

Das vorliegende Buch ist das dritte in dieser Serie. Es prüft den Versuch des naturwissenschaftlichen Materialismus, Ursprung und Sinn des Lebens zu erklären, indem es einige Ergebnisse auf dem Gebiet der Erforschung der Lebensentstehung mit den jüngsten Fortschritten in Beziehung setzt, die in der Kybernetik und bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz gemacht wurden. So ist dieses Buch in erster Linie nicht für den Durchschnittsleser, wer er auch sein möge, gedacht, sondern für denjenigen, der ernsthaft mit den im Laufe der Lektüre angeschnittenen Problemen und ihrer Beziehung zum Glauben ringt. In aller Kürze behandelt das Buch die Prämissen des m,aterialistischen Naturalismus und wägt sie ab gegen den Supranaturalismus als Grundlage unserer Weltanschauung, d. h., unserer Auffassung. vom Sinn des Lebens. In der Vergangenheit war es recht schwer, sich rasch und verläßlich gegen die heftigen Anstürme des naturwissenschaftlichen Materialismus zu wappnen. Die Vertreter dieser Weltanschauung haben in den letzten Jahren eine fast absolute MonopolsteIlung in der wissenschaftlichen Literatur innegehabt.

Die religiöse Presse zeigt sich oft nicht in der Lage, wirksam gegen diese Auffassung des Lebens zu Felde zu ziehen. Dementsprechend war es für Lehrer, die den naturwissenschaftlichen Materialismus vertreten, ein Leichtes, den Glauben junger, mit wenig Tatsachenwissen ausgestatteter Studenten zu untergraben. Das Ergebnis war ein wahrer Kindermord wie zur Zeit des Herodes, ein Mord, der auch ungefähr so heldenhaft wie jener des Herodes war. Für diejenigen nämlich, die sich darauf verstehen; ist es so leicht, den unreifen Glauben eines Studenten als naturwissenschaftlich und philosophisch naiv hinzustellen. Es ist der Zweck dieser Reihe von Büchern, geistige Waffen für diejenigen zu liefern, die sie meinen zu benötigen und die für ihren Glauben und intellektuelle Redlichkeit kämpfen wollen. Das Buch beginnt damit, die transzendente Natur der Lebensentstehung aufzuzeigen, indem es sich mit den im Neodarwinismus fehlenden Faktoren beschäftigt. Es verbindet dies mit der bedeutsamen modernen Auffassung von der Natur des Geistes und der Intelligenz, wobei die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz eine große Rolle spielen.

Zum Schluß sei an den Leser die Bitte gerichtet, in einem Punkte Nachsicht zu üben. Der Inhalt dieses Buches berührt viele wissenschaftliche Disziplinen. Von keinem Autor kann man erwarten. daß er eine Kapazität auf allen diesen Gebieten ist. Auch ich nehme dies nicht für mich in Anspruch. Trotzdem habe ich den Versuch unternommen, weit voneinander entfernte wissenschaftliche Disziplinen zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzufügen, wenn ich nun das Thema vom Ursprung und Sinn des Lebens behandele.

 

Einleitung

Die fehlenden Faktoren des Neodarwinismus

Eine wachsende Anzahl von Naturwissenschaftlern, besonders Physikern und Mathematikern, zweifelt heute an der Zulängichkeit der theoretischen Grundlagen, auf die sich der gegenwärtige materialistische Neodarwinismus stützt. Nur wenige stellen allerdings die sogenannte "Tatsache' der Evolution" ernsthaft in Frage. Es ist nämlich ein klares Faktum, daß unbelebte chemische Substanzen irgendwie im Laufe der Zeit sich zu einer Ordnung zusammengefügt haben. Dies bedeutet, daß sie sich zu dem hochkomplizierten lebenden Substrat entwickelt haben, ein Vorgang, den man mit Recht als "Evolution" bezeichnet.

Nicht diese faktische Entwicklung der Materie selbst soll hier betrachtet werden, sondern vielmehr die Theorien, die man aufgestellt hat, um diese Entwicklung von Ordnung zu erklären. Das gesamte Problem ist heftig umstritten. In der Tat wird es immer schwieriger, öffentlich darüber zu reden, wenn man einen kritischen Standpunkt dazu einnimmt. Jegliches Infrage stellen der "allgemein anerkannten Evolutionstheorie" wird schon aufgrund dieser Tat selbst oft als obskurantisch und fortschrittsfeindlich angesehen. Angesichts dieser Sachlage ist es nötig, unsere Begriffe sorgfältig zu definieren, bevor wir uns auf die stürmischen Gewässer rund um die biologischen Evolutionstheorien hinauswagen. In den folgenden Erörterungen soll" Tatsache der Evolution" einzig und allein bedeuten, daß die unbelebte Materie sich im Laufe der Zeit geordnet hat, bis sie eine Komplexität erreichte, in der sie die Grundlage für die heute bekann

ten biochemischen Vorgänge abgab. Die Frage nach irgendwelchen kausalen Faktoren für diesen Prozeß ~ird bei der Betrachtung dieser faktischen Entwicklung von Ordnung nicht gestellt.

In unserem gegenwärtigen Kontext soll die Bezeichnung "Evolution" nicht primär die Umwandlung niederer Organismen in höhere im Laufe der Zeit bedeuten. Wir sind hier also nicht primär an der Umwandlung von Bakterien in Frösche oder an der Entwicklung des Menschen oder seiner Vorfahren aus Affen oder ihren Vorfahren interessiert. Wir wollen den Ausdruck

"Evolution" in seinem strikt ethymologischen Sinn benutzen, um damit die Entwicklung von steigender Ordnung innerhalb der Materie zu kennzeichnen, die zur Abiogenese (Entwicklung von Belebtem aus Unbelebtem), Ontogenese (Entwicklung des Embryos) und Phylogenese (Entwicklung der Arten) führte. Irgendwie sind Ordnung und Leben aus unbelebter Materie entstanden, so, wie sie auch heute noch durch die ständige Fortpflanzung um un~ herum entstehen und sich vermehren. Die Neodarwinisten und andere schlagen bestimmte Theorien zur Erklärung dieser beobachtbaren Evolution aus der unbelebten Materie vor. Diese allgemeinen Theorien sind es, die hier untersucht werden sollen.

Die Entropie wird definiert als "Maß nicht verfügbarer Energie". In dieser speziellen Definition des Ausdrucks hat sich die Evolution (oder die Reduzierung der Entropie) abgespielt, wie sie sich auch heute noch auf drei klar erkennbaren Gebieten ereignet: Zunächst muß sich zu irgendeiner Zeit oder zu irgendwelchen Zeiten in der Vergangenheit Leben aus unbelebter Materie gebildet haben. Physisches Leben sieht man im allgemeinen nicht als ewig an, denn sogar die Erde muß - zusammen mit dem Universum - einen zeitlichen Anfang gehabt haben. Dieser einmalige oder wiederholte Prozeß (je nachdem, ob man eine einmalige oder eine wiederholte Entstehung des Lebens in der Vergangenheit für wahrscheinlich hält) wird Abiogenese, Neobiogenese oder Archebiopoese genannt.

Seit den Tagen eines Pasteur glauben nur noch wenige Wissenschaftler, daß sich Abiogenese oder Spontanentstehung von Leben aus unbelebter Materie (ohne die Vermittlung bereits existierender lebender Substanzen) auch heute noch ereignet. Andererseits bemühen sich viele Wissenschaftler, Leben oder zumindest die Intermediärprodukte, die vermutlich einmal zum Leben geführt haben, unter Laboratoriumsbedingungen aus unbelebten Substanzen zu erzeugen. Derartige Experimente stellen Versuche dar, Leben oder seine Intermediärprodukte auf nicht-spontane Weise herzustellen, denn jedes experimentelle Eingreifen in die Materie verbietet uns, ein Experiment als ein "spontanes" Ereignis hinzustellen. Eine wirklich spontane Reaktion muß unabhängig von allen aufgrund von Einsicht und überlegung getroffenen Knderungen der Versuchsbedingungen verlaufen. Die Neobiogenese fällt, ob nun spontan oder nicht, in die erste Kategorie unserer Einteilung der Evolutionsprozesse. Zum zweiten durchläuft jeder höhere Organismus in seiner Ontogenese. evolutionäre Prozesse, in' deren Verlauf er von der

gebraucht

Bestell-Nr: BN0370

Verlag:     Hänssler

Einband:     Taschenbuch

Seitenzahl:     252

Format:     20,5x13,5cm

Zustand:     leichte Gebrauchsspuren

Autor:       A.Ernest Wilder Smith

Titel:     Die Erschaffung des Lebens

ISBN:    3775100776 (ISBN-13: 9783775100779)

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