Der Humanist - Wie Philipp Melanchthon Europa lehrte, Uwe Birnstein

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Prolog
Wem es nach einem Heros für den Denkmalsockel der Reformation gelüstet, ist mit der Figur Martin Luthers gut bedient. Wem es hingegen nicht um Heldenverehrung, sondern um ein differenziertes Bild der kirchengeschichtlichen Ereignisse des 16. Jahrhunderts geht, der wird aus dem Schatten des umtriebigen Reformators jene Menschen ins Licht ziehen, ohne deren Leidenschaft, Wissen und Beharrlichkeit Luthers Ansinnen kaum zu einer weltweiten reformatorischen Bewegung geworden wäre. Zu ihnen gehört Philipp Melanchthon. Als „Leisetreter" hatte er sich von seinem Mitstreiter Luther bezeichnen lassen müssen. Nur deshalb, weil ihm in entscheidenden Verhandlungen Diplomatie und Kompromissbereitschaft wichtiger waren als markige Worte. Trotz deutlicher Kritik an der Papstkirche blieb Melanchthon einer Überzeugung treu, die er fast in den Rang einer biblischen Weisheit erhob: Wir sind zum wechselseitigen Gespräch geboren. Zum Einzelkämpfer fehlte ihm das Zeug. Seine Berufung war es, gemeinsam mit anderen von der evangelischen Wahrheit Überzeugten die Kirche zu ihrer eigentlichen Bestimmung zurückzuführen und der Gewissheit Durchbruch zu verschaffen: Gott liebt bedingungslos. Er lässt sich nicht durch Leistung und schon gar nicht durch Geld manipulieren. Fromm gesprochen: Gnade wird geschenkt, nicht verdient. Die damals im Abendland herrschende römische Kirche hatte diese biblische Erkenntnis offensichtlich vergessen.
Am Entstehen eines europäischen Netzwerks evangelisch gesonnener Männer und Frauen war Philipp Melanchthon maßgeblich beteiligt. Ihn als Reformator der zweiten Reihe zu bezeichnen, wäre deshalb falsch. Unter Einbringung seiner Talente und Fähigkeiten prägte er entscheidend Ereignisse und Texte der Reformationsgeschichte. Ohne seine Sprachkunst wäre Luthers Bibelübersetzung ein zwar wort mächtiges, aber holprig zu lesendes Buch geblieben. Ohne sein Formulierungsgeschick hätte die evangelische Bewegung kein gemeinsames Bekenntnis erhalten und wäre zersplittert. Ohne seine Wertschätzung der Bildung wäre die Reformation Elite-Angelegenheit statt Sache des Volkes geworden. Und ohne seine fromme Verankerung in den Einsichten des Humanismus wäre der Protestantismus womöglich der Versuchung eines geistlich verengten Glaubens oder enthusiastischer Schwärmerei erlegen.
Trotz seiner großen Lebensleistung widersetzt sich Melanchthon jedweder Art von Heroisierung. Zeitgenössische Bilder zeigen ihn als bedächtigen, selbstbewussten Mann; sein gutmütiges Lächeln macht ihn sympathisch, seine prägnante Stirn lässt große Willensstärke erahnen. Neben dem fülligen Luther und dem verhärmten Calvin überliefert Melanchthon der Nachwelt auch bildlich eine gleichsam bodenständige wie feinsinnige Facette der Reformation.
Dass es auch heute viele solch standhafter, uneitler und gelehrter Christen wie Philipp Melanchthon gebe, die beherzt und neugierig über den Tellerrand von Kirche und Theologie hinausblicken: Der Verwirklichung dieses Wunsches möge das vorliegende Buch dienen.

Wildschönau, Dezember 2009    Uwe Birnstein

gebraucht
Bestell-Nr.: BV10463
Autor/in:    Uwe Birnstein
Titel:    Der Humanist - Wie Philipp Melanchthon Europa lehrte
Preis:    3,00 €
ISBN:    9783889812827 (früher: 3889812821)
Format:    21 x 12,5 cm
Seiten:    120
Gewicht:    200 g
Verlag:    Wichern
Erschienen:    2010
Einband:    Taschenbuch
Sprache:    Deutsch
Zustand:    leichte Gebrauchsspuren

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