Dein Typ ist gefragt

Dein Typ ist gefragt
Brockhaus Taschenbuch ISBN 3 417 20304 X
Dein Typ ist gefragt - Hallesby Ole

INHALTSVERZEICHNIS

Temperament    
Das sanguinische Temperament
Stärken des sanguinischen Temperaments 
Schwächen des sanguinischen Temperaments
Hinweise für Pastoren und geistliche Ratgeber
Die Selbstdisziplin des Sanguinikers
Das melancholische Temperament
Stärken des melancholischen Temperaments
Die Selbstdisziplin des Melancholikers
Schwächen des phlegmatischen Temperaments
Hinweise für Pastoren und geistliche Ratgeber   
Die Selbstdisziplin des Phlegmatikers
Die Bedeutung der Temperamente


Temperament

Die ganze Natur spiegelt Gottes Größe und den. Glanz seiner Schöpfermacht. Das Leben in seiner bloßen Existenz ist ein Spiegel Gottes. Schon die einfachsten Lebensformen enthüllen etwas von Gott, was kein lebloses Ding ausdrücken kann. Das Leben, dieses letzte Rätsel, das kein Mensch gelöst hat, obwohl die größten Geister aller Zeiten sich darum bemühten, dieses Leben sagt aus über Gott, den unerforschlichen, unfaßbaren Gott. Denn alles Leben hat seine Quelle in Gottes Leben, und so breitet sich das unbegreifliche Geheimnis in Gottes Leben durch alles Lebendige bis in die einfachsten Arten hin aus.

Zur geheimnisvollen Natur des Lebens gehört ein angeborener Drang zu individualisieren, allem Lebendigen eine bestimmte Prägung zu geben. Wenn wir bei den einfachen Lebensformen unterschiedliche Merkmale nur schwer feststellen, so unterliegen sie dem Individualisierungsprozeß doch genau so wie die höheren Geschöpfe.
Ein erstaunliches Beispiel dafür, wie sehr alles Leben nach Vielfalt drängt, finden wir an den Blättern eines Baumes. Kein Blatt gleicht dem anderen.
Mehr noch: Wir wissen, daß keine zwei Menschen auf der Welt identische Fingerabdrücke haben. Der Abdruck kann deshalb dazu benutzt werden, eine Person, die versucht, sich unkenntlich zu machen, zu identifizieren.
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Es leuchtet ein, daß um so weniger Möglichkeiten für individuelle Unterschiede gegeben sind, je einfacher das Lebewesen ist. Umgekehrt, je komplizierter die Form, um so zahlreicher sind die Möglichkeiten zur individuellen Ausformung. So können zum Beispiel zwei Hunde viel mehr unterscheidende Merkmale aufweisen als zwei Mükken.
Bedenkt man, daß der Mensch das Geschöpf mit den meisten Möglichkeiten für individuelle Unterschiede ist, so versteht man, daß dementsprechend der Mensch das vollste Leben genießt. Das drückt sich auch in den drei verschiedenen Bereichen des Lebens aus: dem physischen, dem seelischen und dem geistigen.
Das heißt: Es lassen sich persönliche Unterschiede in jedem Bereich des menschlichen Lebens finden. Dabei treten körperliche Unterschiede auffallend in Erscheinung. Sind etwa zwei von den Tausenden von Personen, denen wir begegnen, einander völlig gleich? Zwillinge mögen einander überraschend ähneln, trotzdem gibt es keine vollkommen identischen Zwillinge.

Viel größer noch sind die Möglichkeiten individueller Unterschiede im seelischen Bereich, denn das Leben der Seele ist reicher als das des Körpers. Und das Phänomen, das wir untersuchen wollen das Temperament -‚ ist gerade eines jener seelischen Elemente, die für die Ausprägung der individuellen Persönlichkeit verantwortlich sind.
Wir wollen, um unsere Überlegungen auf eine breitere Basis zu stellen, zuerst an einige andere Faktoren erinnern, die auch dazu helfen, der Person ihren individuellen Stempel aufzudrücken.
Da sind die rassischen Merkmale. Bei den meisten Rassen sind die unterscheidenden Merkmale sehr auffallend.
Ich gebrauche die dreifache Einteilung - Körper, Seele, Geist - im Sinne der Schrift als Synonym zu dem einfachen Ausdruck Leib und Seele. Der Gedanke ist der gleiche. Wird der zweifache Ausdruck gebracht, so bezeichnet der Leib das, was sonst mit Körper und Seele gemeint ist, und Seele steht dann für Geist.
Man erkennt typische geistige, seelische, körperliche Kennzeichen. Die rassischen Charakteristika sind zäh und setzen sich noch in Rassenmischungen durch.
Ferner gibt es Unterscheidungen nach Heimat und Nationalität. Obwohl sie sich nicht so stark behaupten wie die rassischen, tragen sie doch dazu bei, jedem Volk eine eigene Prägung zu geben. Man denke zum Beispiel nur an die Abweichungen zwischen so eng verwandten Völkern wie den Norwegern, Schweden und Dänen. Oder zwischen Holländern und Deutschen, zwischen Norddeutschen und Süddeutschen.

Dann haben wir den Unterschied der Geschlechter, der unausrottbar ist. Jeder, ohne Unterschied von Rasse und Nationalität, ist ihm unterworfen. Die Verschiedenheit der Geschlechter geht weiter, als die gegenwärtige Generation es wahrhaben will. Wird sie nicht beachtet, muß das menschliche Leben etwas von seinem besonderen Reichtum einbüßen. Der bemerkenswerte Wunsch vieler Frauen, sich dem Mann so weit wie möglich anzugleichen, ist krankhaft. Noch gefährlicher wird es, wenn gleichzeitig eine Neigung zur Verweiblichung bei den Männern auftritt.
Endlich müssen wir an dieAltersstufen erinnern. Sie arbeiten an der ganzen Menschheit ohne Rücksicht auf Rasse, Nationalität oder Geschlecht. Aber sie hinterlassen nicht, wie die anderen Variationstypen, eine beständige Wirkung im Leben des Individuums. Mit wachsendem Alter ändern sich die persönlichen Charakteristika. Studiert man vier nebeneinander gelegte Photographien einer Person, die sie mit einem, fünfzehn, vierzig und achtzig Jahren darstellen, so bekommt man ein unvergeßliches Bild der Wandlungen, die mit den Jahren vor sich gehen.
In dieser Serie von typischen Unterschieden haben auch die Unterschiede im Temperament ihren Platz.
Temperament wird von Geist und Seele bestimmt und drückt sich körperlich aus, weil die Seele immer auf den Körper einwirkt und sich durch ihn 'auswirkt. So spiegelt sich das Temperament in der Erscheinung und in den Bewegungen des Körpers wider, und da besonders im Gesicht eines Menschen: in seinen Zügen, die das Temperament dem Gesicht aufgeprägt haben, und im jeweiligen Ausdruck von Freude oder Schmerz, Hoffnung oder Resignation.

Die bestimmte Prägung, die von der Seele ausgeht und die wir Temperament nennen, ist angeboren. Das heißt, das Temperament war schon in uns, ehe unser Bewußtsein und unser Wille zu funktionieren begannen. Es bleibt unser ganzes Leben lang von unserem bewußten Sein unabhängig. Sicher können wir mit Verstand und Willen unser Temperament beeinflussen, und das sollen wir sogar. Aber das Temperament sitzt tiefer als das Bewußtsein. Das zeigt sich schon darin, daß sich unser Temperament am deutlichsten zeigt, wenn Bewußtsein und Wille unser Verhalten gerade am wenigsten kontrollieren.
Also wurzelt das Temperament in jenem Bereich unseres Seins, den wir das Unbewußte oder das Unterbewußtsein nennen. Das ist der Bereich, in den wir mit dem Intellekt nicht eindringen können, und über den der Wille nur sehr begrenzte Kontrolle hat. Aus diesem Grunde spielt das Temperament solch eine wichtige Rolle in unserem geistigen und geistlichen Leben. Aus dem Unterbewußtsein überflutet und beeinflußt es unaufhörlich unser bewußtes Leben, indem es sich mit instinktiver Kraft und Zähigkeit durchsetzt.
Temperament braucht nicht von bewußtem Denken und Wollen angeregt werden. Es arbeitet automatisch und zwingt sich selbst unaufhörlich dem Leben der Seele auf. Keine freiwillige oder unfreiwillige Handlung des Geistes kann zustande kommen, ohne daß sie in gewissem Grade vom Temperament beeinflußt wird.
Es ist wie beim Quellwasser, das seine Farbe oder den Eisengehalt aus Schichten tief unten in der Erde mitbringt. Alles aus dieser Quelle fließende Wasser ist von gleicher Natur. Es liegt dann bei uns, ob wir es nützen wollen oder nicht, wofür wir es verwenden und ob wir es so, wie es ist, gebrauchen oder irgendwie verbessern wollen.
Obwohl das Temperament im Unterbewußtsein wurzelt, übt es einen unausweichlichen Einfluß auf unser bewußtes Leben - unsere Regungen, unseren Verstand und Willen - aus. Wir werden die Wege bedenken müssen, auf denen wir mit Hilfe von bewußter Anstrengung und bewußtem Willen dem Temperament entgegenwirken wollen oder müssen oder gar ihm zu entfliehen versuchen. Um es gleich hier zu sagen: Keiner entkommt seinem Temperament, und wir sollten es auch gar nicht erst versuchen. Genauso wenig wie ein normaler Mensch ohne Sex geboren wird, kommt er ohne Temperament auf die Welt. Diese instinktive Kraft gibt unserem geistigen und geistlichen Leben jene Note, die uns als Typ mehr oder weniger von der ersten Lebensstunde bis zur letzten bestimmt.
Man darf diese Wahrheit nicht so verstehen, als hätte Temperament im Leben eines Menschen etwas mit Charakter zu tun. Ebensowenig hat es mit Moral zu tun. Eine ganz andere Sache ist die Feststellung, daß das Temperament mit Hilfe von Verstand und Willen dem Guten oder Schlechten dienstbar gemacht werden kann. Wie dies geschieht, wollen wir ja gerade untersuchen.
Dieses Temperament hat mit dem Funktionieren des Seelenlebens zu tun. Es berührt eine Taste oder Saite der Seele und bringt sie zum Schwingen. Außerdem gibt es das Tempo an, das den natürlichen Rhythmus von Seele und Leib regelt.

Beide, die Schwingung und der Rhythmus, hängen davon ab, wie das Temperament die verschiedenen Elemente unseres Lebens - unser Fühlen, unser Verstehen, unser Wollen - in Beziehung zueinander bringt; anders ausgedrückt: wie es auf diesem Instrument spielt. Wie die großen Musikwerke aus wenigen Noten, nur durch Veränderung ihrer Beziehung zueinander, komponiert worden sind, so setzen sich die verschiedenen Temperamente aus den verschiedenen Grundtönen der Seele zusammen, die sich zu endlosen Variationen miteinander verbinden lassen.
Das Wort »Temperament« ist bekannt genug. Wir alle wissen einigermaßen, was damit gemeint ist. Doch wollen wir, ehe wir die verschiedenen Temperamente im einzelnen genauer prüfen, das Wort noch einmal ansehen:
» Temperament« stammt aus dem Lateinischen und meint die »richtige Mischung« - in diesem Fall die Mischung der Körpersäfte.
Es bezieht sich auf die alte medizinische Vorstellung, daß der Körper vier Flüssigkeiten oder Säfte enthalte, nämlich Blut (sanguis), Cholos oder gelbe Galle, Melancholos oder schwarze Galle und Phlegma oder Schleim. Man meinte, daß die Temperamentsunterschiede der Menschen von der verschiedenen Mischung dieser Säfte abhinge. Man teilte die Temperamente in vier Typen, je nachdem, welche Flüssigkeit in der Mischung vorherrsch te. So kam man zum sanguinischen, vollblütigen, warmen, lebendigen, zum melancholischen, dunklen, düsteren, cholerischen, heißen, heftigen und zum phlegmatischen, kühlen, langsamen und trägen Temperament.
Diese Auffassung wurde natürlich schon lange als ungenügend erkannt. Wir glauben nicht mehr, daß die Temperamente durch Körpersäfte oder durch etwas anderes Körperliches bestimmt werden. Aber die Bezeichnungen sind geblieben und mit ihnen die vier Typen.
Jetzt ist die Frage, was wir denn wirklich meinen, wenn wir vom Temperament und von den verschiedenen Temperamenten reden.
Manche werden antworten: »Unter Temperament versteht man den angeborenen Grundriß der Seele, der davon abhängt, welches der drei Lebenselemente über die anderen vorherrscht. « Dieser Definition entspricht die Einteilung der Individuen in impulsive, nachdenkliche oder willensstarke.
Es gibt keinen gewichtigen Einwand gegen diese Definition. Aber sie bricht mit der traditionellen Lehre von den Temperamenten, während sie gleichzeitig den altgewohnten Ausdrücken etwas Fremdartiges hinzufügt. Man läßt mit diesem System die klassische Bezeichnung der vier Typen fallen und trifft statt dessen eine dreifache Einteilung.
Die übliche Definition des Temperamentes lautet anders. Sie trägt zwar den vielen möglichen Kombinationen oder Mischungen der drei »Lebenselemente«: Emotion, Intellekt und Willen. Aber wenn man vom Temperament spricht, hat man nicht wirklich die Beziehungen dieser drei Möglichkeiten zueinander im Sinn.
Andere würden erklären, die Temperamentsunterschiede hingen von der Art ab, mit der jemand auf die Eindrücke, die er von seiner Umgebung empfängt, reagiert. Der Ausdruck »reagiert« meint wörtlich »zurückwirkt« oder »zurückhandelt«. Im Bereich der Psychologie bedeutet er jede seelische Aktivität, die von irgendeinem äußeren Einfluß oder Anreiz ausgelöst wird.
Das würde heißen: Temperament ist die wesentliche Antwort der Seele auf ihre Umgebung.
Dies ist zweifellos eine äußerst direkte Antwort, die von der Tatsache ausgeht, daß man sehr leicht beobachten und verstehen kann, wie die Umgebung Gefühl, Intellekt und Willen anspricht. Die Unterschiede im Temperament werden danach an den Unterschieden der von der Umgebung ausgelösten Antworten oder Handlungen des Geistes und der Seele erkannt. Wird man im Gefühlsbereich, im Geist oder im Willen am ersten und am stärksten zur Tat gedrängt? Werden zwei dieser Kraftfelder besonders stark auf Kosten des dritten angeregt? Oder reagieren alle drei gleich stark?

Ehe wir in der Untersuchung der verschiedenen Temperamente weitergehen, müssen wir eine vorbeugende Feststellung machen: Die Menge der Temperamentsarten läßt sich überhaupt nicht ermessen. Sie werden im Leben niemals genau so vorgefunden, wie wir sie hier beschreiben. Jede Person entwickelt eine Art Gemisch von Temperamenten, und kein Individuum kann als Beispiel eines einfachen, »reinen« Temperaments dienen.
Mancher wird fragen: »Warum beschreiben Sie dann die vier, wenn man sie niemals im Leben so antrifft, wenn sie also nur in unserer Vorstellung existieren? Warum beschreiben Sie nicht wirkliche, statt in ein System gepreßte Personen?«
Die Antwort lautet: Alles Denken besteht darin, einzelne Phänomene Gruppen von verwandten Phänomenen zuzuordnen; diese Gruppen nennen wir Konzepte oder Ideen. Wir schließen unter dem Sammelausdruck Stein alle Steine ein, ohne dabei verschiedene Typen oder Arten in Farbe, Form, Größe, Gewicht, Härte oder Wert zu unterscheiden. Aber wir verstehen alle, daß ein solcher Stein im allgemeinen Sinn nicht existiert. Es handelt sich um ein Konzept, das nur in unserer Vorstellung vorhanden ist.
Trotzdem sind solche Konzepte oder Entwürfe von großer Bedeutung. Sie verhelfen uns zu einem umfassenden Blick auf die Dinge und - mit Hilfe der Einordnung aufgrund eines Konzeptes - zum Verständnis der Beziehungen zwischen den unendlich mannigfaltigen Eindrükken ds täglichen Lebens. überlegen wir doch einen Augenblick, was es bedeuten würde, wenn wir solche allgemeinen Konzepte, solche allgemeinen Ausdrücke wie Mensch, Tier, Baum, Stein, Wasser, Pferd, Hund, Kuh oder Katze nicht hätten! Ebenso naheliegend und nützlich ist es für uns, die vielfältigen Züge der Persönlichkeit in spezifischen Konzepten zu sammeln, die wir mit dem Namen der vier Temperamente bezeichnen.
Was ich sage, ist von mehr als nur theoretischem Interesse; es ist von praktischer Bedeutung. Von Anfang an müssen wir verstehen, daß niemand von uns eines der Temperamente in so extremer oder idealer Form besitzt, wie wir sie hier beschreiben. Wir alle haben Kombinationen von Temperamenten, und keiner hat die gleiche Kombination. Wenn wir zum Beispiel von jemandem sagen, er ist Sanguiniker, so meinen wir damit sicher nicht, daß ihm andere Züge fehlen, sondern nur, daß das Sanguinische in seiner Temperamentsmischung vorherrscht. Und gerade das können wir bei den meisten Kombinationen beobachten: dieses Zusammenspiel eines vorherrschenden Temperaments mit begleitenden Zügen eines oder aber drei anderer. Und gerade hier liegt eine Chance der Korrektur - eine Chance, wie wir sehen werden.

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