Alarm um die Bibel, Gerhard Bergmann

  • Alarm um die Bibel, Gerhard Bergmann

gebraucht
Verlag:     Schriftenmissionsverlag
Einband:     Taschenbuch
Seitenzahl:     128
Format:     19x11cm
Zustand:     leichte Gebrauchsspuren
Gewicht:     190 g
Titel:     Alarm um die Bibel

INHALT Ein Wort zuvor. 

Einführung . .
Das Anliegen dieser Schrift .
 
I. Teil: Die geistigen Wurzeln der modernen Theologie
z. Der moderne Wissenschaftsbegriff 
2. Die Philosophie
3. Die Naturwissenschaft
4. Die Geschichtswissenschaft
 
II. Teil: Der Angriff auf die Bibel durch die moderne Theologie
Die Enthistorisierung der Bibel
Die „historisch=kritische Forschung" . .
Die moderne Auslegung der Bibel . ...
Die moderne Verkündigung
Die Umwertung Jesu Christi
Die Entfabelung der Bibel
Die Erfindung der „Gemeindetheologie" . . . 
Die Sinnentstellung des Glaubens durch die moderne Theologie
Beten zu Jesus?
Das Irreführende an der modernen Theologie 
Was ist die moderne Theologie?

III. Teil: Vom Selbstverständnis der Bibel
Wie versteht die Bibel sich selbst?
Die Bezeugung der Inspiration
Die Art der Inspiration
Wie steht es mit der Verbalinspiration? ..
Verbalinspiration: ja und nein
Fröhliche Unbekümmertheit . . . .
Ist die Gemeinde Jesu „bibelgläubig"? . . .
Die dreifache Gestalt des Wortes Gottes ..
Fundamentalismus? 
Entgiftung des Gesprächs über die Bibel 
Die Bibelkritik ist nicht haltbar
ist die Erhellung der biblischen Vorgeschichte notwendig? 
Die Hauptbedingung für den rechten Umgang mit der Bibel 
Sind die neurationalistischen Theologen gläubig?
Wie steht es mit der Sünde? 
Irrende Brüder
Sind wir für die Zukunft gerüstet? 
 
Ein Wort zuvor
Wir haben als evangelische Christen keinen Papst. Ein Blick in die Geschichte der Kirche zeigt, daß ein hoher Preis
für diesen Verzicht bezahlt werden muß: Es scheint jeder Meinung Tor und Tür geöffnet zu sein. Da kaum jemand seine Meinung für sich zu behalten pflegt, ist es eine verwirrende Fülle von Anschauungen, die in Büchern gedruckt und in Vor= trägen weitergesagt auf den einzelnen evangelischen Christen zukommt. Selbst wenn er sich den Stimmen der Sekten ver= schließt, verbleibt eine bunte Vielfalt von Meinungen übrig, die ihm von Männern seiner eigenen Kirche vorgetragen wer= den. Woran soll er sich halten? Welche gilt? Wie soll er prüfen, was zuverlässig ist oder was in die Irre führt?
 
Da mag er sich erinnern: In der evangelischen Kirche ist es die Bibel, die den Ausschlag gibt. Sie ist die Richtschnur. Weil wir sie in Händen halten, haben die Reformatoren auf den Papst verzichtet. „Denn so gut werden es weder Konzilien, Väter noch wir machen, auch wenn es aufs Höchste und Beste gerät, wie die Heilige Schrift, die Gott selbst gemacht hat" (Martin Luther). Deshalb trifft es uns Christen hart, wenn das Wort der Bibel verdunkelt wird. Das kann auf verschiedene Weise geschehen. Wenn wir die Texte lesen und doch im voraus zu wissen meinen, was da steht, so daß wir der Bibel nichts anderes erlauben, als uns in unserer Meinung zu be= stätigen. Wenn unser Denken beschlagnahmt ist von den Weltanschauungen und Philosophien unserer Tage und sich das Bibelwort dem unterwerfen muß, statt frei reden zu können. Wenn. .. Lassen wir das Aufzählen! Strömt das „Wasser des Lebens" aus dem „irdenen Gefäß" der biblischen Bücher stark und Hindernisse überwindend, dann braucht nie= mandem bange zu sein um das Leben in der Christenheit. Ist aber das nicht der Fall, dann ist Alarm geboten. Wir sind mit dem Verfasser dieses Buches überzeugt, daß „Alarm um die Bibel" gegeben werden muß. Seine Art, die Stimme laut wer= den zu lassen, mag manchem Leser übertrieben hart, verkürzt und einseitig erscheinen. Die Sprache haben wir alle erst noch
zu lernen, die in solcher Liebe nach der Wahrheit fragt, daß sie nicht verletzt, sondern heilt, nicht trennt, sondern zu= sammenbringt. Wenn dies Buch Christen gegen Christen bitter werden läßt, würde es besser nicht gedruckt. Wenn es aber den Leser hindrängt zur Heiligen Schrift selbst, zu ehrlichem Achten auf ihre Worte und Sätze, zur Bereitschaft, Gottes Zu= spruch und Weisung geradeheraus zu hören und sich gesagt sein zu lassen, dann hat es seinen Zweck erfüllt.
Paul Deitenbeck
 
Jesus Christus sagt: „ . . die Schrift kann doch nicht gebrochen werden."
Paulus schreibt:          „Ich glaube allem, was geschrieben steht."
Petrus bezeugt:          „Wir sind nicht klugen Fabeln gefolgt."
 
„Nun sagen Sie doch mal: was hat es eigentlich mit der Bibel= kritik durch die moderne Theologie auf sich? Man hört so viel davon, aber ein rechtes Bild kann man sich nicht machen."
Wir sprachen miteinander über manche anstehenden Fragen, von denen viele nachdenkende Menschen bewegt werden.
 
.. und noch eins, was mir sehr wichtig ist: wenn Sie zu dem brennenden Thema Bibel schreiben dann bitte so, daß wir nichtstudierten Gemeindeglieder es auch verstehen können." So sagte ein pensionierter Beamter zu mir, als er mir seine Not klagte, die ihm die moderne Theologie bereitet. In dieser Not hatte er sich sogar an Prof, B ul t m a n n mit einem Brief gewandt. Aber der Brief blieb ohne Antwort. Wir wollen Prof. Bultmann deshalb nicht den geringsten Vorwurf machen; denn sicherlich wird viel auf ihn einstürmen. Aber wie ernst es vielen Gemeindegliedern draußen im Lande ist, in den verwirrenden Fragen zur Klarheit zu kommen, dafür mag dieser Brief ein Zeugnis sein. Darum erwähne ich auch diesen Vorgang.
Oberhaupt kann einen die Not, die durch die moderne Bibelkritik entsteht, sehr traurig machen, mehr noch: sie treibt einen in großen Kummer, in schwere Sorge und bereitet schlaflose Stunden.
Die Bibelkritik soll in die Gemeinden und Schulen
Der theologische Leiter des bekannten Hamburger „Sonntagsblattes" ist Dr. theol. Heinz Zahrnt. Er ist ein Vertreter der modernen Theologie. Was wir darunter zu verstehen haben, hoffen wir auf den folgenden Seiten deutlich zu machen. In der Weihnachtsnummer des „Sonntagsblattes" von i96o schrieb er einen Artikel unter der Überschrift: „Der Sohn und
die Söhne." In diesem weitverbreiteten Blatt stieß er mit seinem schriftwidrigen Artikel tief in die Gemeinden vor und teilt allen Lesern mit:
„Die neutestamentlichen Zeugnisse lassen keinen Zweifel dar= über, daß Jesus ein wirklicher Mensch war und nicht ein Himmelswesen."
Diesen Ausdruck „Himmelswesen" findet man wiederholt im Wortschatz der modernen Theologie. In Wirklichkeit liegt in diesem verzerrenden Wort nicht weniger als die Leugnung der Gottessohnschaft. Zahrnt schreibt über Jesus: „Nichts Übergeschichtliches, Übernatürliches oder gar Unnatürliches spielt hier hinein." Nun konnten es also alle, alle von Flensburg bis Konstanz lesen. Die moderne Theologie will eben in die Gemeinden - und in die Schulen.
In dem gleichen Hamburger „Sonntagsblatt" erscheint im Mai 1962 ein Artikel aus der Feder eines anderen Schreibers: „Erziehung zum denkenden Glauben." Dafür sind wir zwar auch und sogar mit großem Nachdruck. Aber der Untertitel des Artikels gibt zu erkennen, was man unter „denkendem Glau= ben" versteht. Er lautet: „Bibelkritik in der Schule." Der Artikel erhebt die Forderung: „Die Naivität überwinden." Die „Hilfen gewinnen" sie dazu in der „zeitgenössischen Theologie". Wir lesen ferner: „Wir müssen endlich die falsche Entgegensetzung von Glauben und Theologie hinter uns lassen, wenn wir nicht wollen, daß der Glaube junger Menschen geistlos wird."
Wie die moderne Theologie in Predigt und Bibelstunde aussieht, dafür ein Beispiel wieder für viele.
Der Pfarrer - ich könnte Namen und Ort nennen - spricht über die Hochzeit zu Kana. Dabei sagt er einleitend den Satz: „Wenn man hier nicht an Hexerei glauben will, dann ist dies schwer zu verstehen." Darum kommt er zu der Fest= stellung, daß es sich hier um eine „Mythe" = eine Sage, Göttersage, handelt.
Angesichts des entschlossenen Willens der mo= dernen Theologie, in weiteste Kreise der Ge= meinde mit der Bibelkritik einzudringen, ist für die Gemeinde Jesu Alarmstufe Nr. i gegeben.
Die moderne Theologie will eben in die Gemeinde vorstoßen. Wir können dies nicht hindern. Wir sind dann aber um der Verantwortung willen gerufen, die Gemeinde über die moderne Theologie aufzuklären.
Keine Verharmlosung~,
Flarmonisierungsversuche zwischen herkömmlichem Glaubens= Lind Bekenntnisstand der Gemeinden einerseits und der moder= ;ien Theologie andererseits werden beiden Teilen nicht gerecht. Eine Verharmlosung der Lage dürfen wir uns nicht erlauben. Mehr noch: Sie würde uns schuldig machen. Wie wenig Be= ruhigungstabletten am Platze sind, dafür folgende Tatsache.
Ein bekannter Theologe der evangelischen Kirche schreibt unter der Überschrift „Bekennende Kirche ig6z" u. a. folgendes:
„Man wird zugeben müssen, daß das Bekenntnis keine zwin= „,ende Gewalt mehr unter uns hat ... Als wir den Kirchen= kampf begannen, stand die Theologie Karl Barths in voller Blüte ... Inzwischen ist ... die Bedeutung der Theologie Barths ~:chr zurückgegangen. Bultmann hat einen Siegeslauf angetre= len, den man für fast beispiellos halten kann ... So ist denn cin Zustand in unserem Kirchenwesen eingetreten, der ... Uns ... mit tiefster Sorge erfüllen müßte... Achtet man auf die Lehrinhalte, wie sie im Bekenntnis der Väter aufgezeichnet ;tehen, hat die Bekennende Kirche nicht gehalten, was sie ver= sprach, als sie antrat." Er fährt dann mit dem erschütternden Satz fort, dem ich meine ganze Zustimmung geben muß:
„Es ist schwer zu sagen, ob nicht die Anfech= tung, die so entsteht, schwerer ist als die, welche damals (gemeint i933ff) über uns hereinbrach. Das ist eine schwerwiegende Feststellung."
Darum jetzt nur keinen verharmlosenden Zuckerguß. Es geht um die Fundamente. Ja, es geht hart an die Fundamente.
Trotzdem: die ehrliche Absicht
Wenn wir uns auch scharf von der bibelkritischen Theologie unserer Tage absetzen, so betonen wir trotzdem, daß die modernen Theologen, Bultmann und seine Schüler, von einer
besten Absicht erfüllt sind. Gerade dem modernen Menschen wollen sie Brücken zum Glauben bauen. Um so größer ist die Tragik, daß sich ihre Brücken als völlige Fehlkonstruktionen erwiesen haben und immer wieder erweisen. Ihre Brücken
tragen nicht. Wahrhaftig nicht. Statt Menschen zum Glauben zu verhelfen, was ihr aufrichtiges Wollen ist, verwirren sie die Gemeinden und machen viele Menschen am Glauben irre. Die gute Absicht allein genügt also noch nicht.
Das Anliegen dieser Schrift
Aus der Absicht, Klarheit über das Verhältnis von moderner Theologie und Gemeinde zu schaffen, erwächst das Anliegen dieser Schrift. Sie stellt sich eine vierfache Aufgabe:
 
1. Sie möchte die Gemeinde Jesu mit den G r u n d z ü g e n der modernen Theologie bekanntmachen und im= mer wieder zeigen, was sich daraus für Folgerungen in bezug auf die Bibel ergeben.
2. Sie will versuchen Mißverständnisse auszu= räumen, die in der Vorstellung vieler ehrlicher Mit= christen wohnen, und die sie über die Schriftlehre der Gemeinde Jesu weithin haben.
3. Durch die Entfaltung des ersten und zweiten Anliegens hofft sie einen bescheidenen Beitrag zur Klärung der Fronten, aber auli zur gegenseitigen Verständigung geben zu können.
4. Darüber hinaus möchte sie der Gemeinde Jesu eine kleine Hilfe zur großen Freudigkeit geben, auch fernerhin einganz ungebrochenes ja zur Heiligen Schrift
zu sagen. Die Gemeinde Jesu hat wegen ihrer „Bibelgläubigkeit" nicht den allergeringsten Grund, Rückständigkeitsgefühle zu haben und über unsachliche Vorwürfe wie „Naivität" und „Simplifizierung", „primitiv" und „unwissenschaftlich" ernsthaft traurig zu sein. Diese Vorwürfe wollen wir gelassen und ohne Groll auf uns nehmen.
 
Gern möchten wir hoffen, daß es uns gelingt, die vier Anliegen einigermaßen befriedigend herauszustellen. Dabei geben wir uns keinen Augenblick der Täuschung hin, daß die gerade erwähnten Vorwürfe nicht auch gegen diese Schrift erhoben werden, wenngleich wir uns die Mühe machten, die ein= schlägigen Werke gerade der modernen Theologie sehr auf= merksam durchgearbeitet zu haben.
In formaler Hinsicht stellt sich diese Schrift die Aufgabe, alles in einer allgemeinverständlichen und gemeindegemäßen Weise zu sagen. Wenn sich dennoch Fachausdrücke und Fremd= worte nicht immer vermeiden lassen, so sollen sie aber so gut verdeutscht oder umschrieben werden, wie dies möglich ist. Und nun ans Werk.

Vorwort zur Auflage
Jesus Christus sagt: "... die Schrift kann doch nicht gebrochen werden."
Selten hat ein Buch, dessen Auflagenhöhe inzwischen 60 000 Exemplare erreicht hat, so viel Zustimmung und so viel Ablehnung erfahren wie dieses. Allein schon diese Tatsache läßt erkennen, daß vorliegendes Buch die brennenden Probleme deutlich bei Namen nennt. Dafür sollten alle dankbar sein. Diesem Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß es so gut wie keinen Pfarrer, Prediger und landes- oder freikirchlichen Mitarbeiter gibt, der es nicht kennt.
Der Kampf um die Autorität der Bibel ist in voller Schärfe entbrannt. Auf der einen Seite geschieht eine Demontage der Bibel, bei der der Tatsachencharakter der biblischen Berichte bestritten wird und nur noch eine Summe von theologischen Bedeutsamkeiten übrigbleibt. Wir aber möchten ehrfürchtig gültig sein lassen und in Anspruch nehmen, was Gott in Wort und Tat uns zugewandt hat.
Unser Heil in Zeit und Ewigkeit ruht in der Tatsache des gekreuzigten und leiblich auferstandenen Gottessohnes, der uns in der Heiligen Schrift immer neu davon überführt, daß er die Wahrheit ist und sagt.
Je unheimlicher die Weltentwicklung und je stärker der Wackelkontakt zum Wort Gottes bei vielen wird, desto fester halten wir an dem gesamten Wort der Heiligen Schrift.
Möchte dieses Buch seinen wichtigen Wächterdienst weiterhin tun.#

1. Teil
Die geistigen Wurzeln der modernen Theologie
„Wie kann nur ein Bultmann sagen: Jesus sei nicht leiblich auferstanden, wo uns dies doch eindeutig im Neuen Testament bezeugt wird?"
So fragte mich jemand ganz entrüstet. „Ich kann so etwas nicht begreifen", fügte er hinzu. In der Tat ist es ja auch schwer zu verstehen, warum es nach Bultmann und vielen seiner Schüler keine Wunder, keine Engel, keine Dämonen, keine Jungfrauengeburt Jesu, keine Himmelfahrt, keine Wiederkunft, keine Sündenvergebung etc. geben sott. Die Bibel sagt doch ganz etwas anderes. Das wissen Bultmann und seine Schüler natürlich auch. Wie kommen sie trotzdem dazu, diese klaren Aussagen der Bibel abzuweisen? Die entscheidend wichtige Antwort, durch die alle weiteren Geleise gelegt werden, muß lauten:
Bultmann und viele seiner Schüler nehmen den Ausgangspunkt für ihre Theologie nicht bei der Bibel selber, sondern
1. beim modernen Wissenschaftsbegriff
2. bei der Philosophie
3. bei der Naturwissenschaft und
4. bei der Geschichtswissenschaft.
Wir müssen uns jetzt die Mühe machen, uns diesen Herkunftsort etwas näher anzusehen. Wir müssen sie uns wirklich machen, denn nur dann verstehen wir die moderne Theologie. Von dorther sind nämlich ihre theologischen Entscheidungen bestimmt. Haben wir den Ausgangspunkt der modernen Theo= logie richtig ins Visier bekommen, dann ist uns auch ihr wei= terer Weg völlig klar und wir verstehen ihre Stellung zur Bibel.
 
1. Der moderne Wissenschaftsbegriff
Von Bultmar.n muß man wissen, daß er selbst gesagt hat, es sei ihm nicht möglich, Theologie zu betreiben, wenn er nicht durch die Schule des Liberalismus gegangen sei. Für den Libera= lismus, wie für die moderne Theologie ist es nun kennzeich= nend, daß sie den Wissenschaftsbegriff übernommen haben, der seine Ausprägung wesentlich in der Zeit der Aufklärung im 18 Jahrhundert und besonders bei den Philosophen Des= c a r t e s und Kant fand. Für den modernen Wiesenschafts= begriff gibt es nur die „in sich ruhende Endlichkeit". D. h. unsere Welt ist etwas in sich Ruhendes, etwas in sich Geschlossenes und Ganzes. Sie ist wie ein Haus, in das nichts Fremdes von außen einwirkt. Das Fremdwort dafür lautet: unsere Welt ist „immanent" = in sich geschlossen. Alle Aussagen, die über diese „Immanenz", die reine Innerweltlichkeit hinausgehen, sind unwissenschaftlich. Der bekannte Physiker und Christ, Prof. Karl Friedrich von Weizsäcker, sagte, daß in unserer Welt der Glaube an die Wissenschaft „die be= herrschende Religion unseres Zeitalters darstellt". Da die Bult= mannsche Theologie großen Wert darauf legt
1. wissenschaftliche" Theologie zu sein und
2. ausdrücklich den modernen Wissenschaftsbegriff übernimmt,
ist es dann natürlich unwissenschaftlich, noch von Wundern, von Auferstehung, von Sündenvergebung etc. zu reden. Denn das sind ja alles Dinge, die den runden Kreis von außen spren= gen. Was hat schon unsere moderne mathematische und streng gesetzliche Welt mit Engeln oder sonstigen „Himmelswesen" zu tun? Unsinn! Wer davon redet, redet nicht mehr „wissenschaftlich". Jedermann sieht nun ein, daß sich von dorther ein erster Zu= sammenprall zwischen der modernen Theologie und der Bibel ergeben muß. Der zweite ergibt sich durch
 
2. Die Philosophie
Das darf man nun keineswegs falsch verstehen. Ich habe selber Philosophie studiert und darin promoviert. Ich bin für dieses Studium sehr dankbar und hoffe nicht, dadurch zu einem Ent= steller des Evangeliums geworden zu sein. Prof. Karl B a r t h wußte darum schon, was er tat, als er uns Studenten in seinem theologischen Seminar der Universität aufmunterte, auch tüchtig in den Lehrgebäuden der großen Philosophen herum= zugehen und ihren Wegen nachzudenken. Man muß immer das Philosophieren selber, d. h. die Beschäftigung mit der Philosophie als solcher, von einem philosophischen System unterscheiden. So richtig das Philosophieren an sich ist, so

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